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Media agitation against Christians in Iran / Medienhetze gegen Christen im Iran [English/German]
Wahied Wahdat-Hagh, Die Welt, 04-Jul-2008
 

[English version]

Iranische Muslime, die Christen werden, sind in Gefahr, weil sie als Apostaten gezählt werden. Farsnews, die Militärkreisen nahe steht, veröffentlichte eine vierteilige Serie über wachsende christliche Gemeinden und wie man diesen begegnen müsse.

Es sind keine khomeinistischen von einem Kryptographen zu knackenden Enigma-Codes notwendig, um zu entschlüsseln in welcher Unfreiheit auch iranische Christen leben:
Farsnews berichtete am 23 Juni über das Wachstum von christlichen Gemeinden im Iran. Diese würden von ausländischen Satellitenfernsehanstalten beeinflusst werden. In privaten Häusern würden Kirchen eingerichtet werden, wo sich „Priester und Apostaten" versammelten. Sie sollen von kirchlichen Organisationen finanziert werden. Viele Jugendliche würden sich von der verführerischen „christlichen Propagandamaschinen“ angezogen fühlen. In häuslichen Kirchen würden sie Bücher und CDs zur Verfügung gestellt bekommen, Zugang zu Internet-Weblogs erhalten und christliches Satellitenfernsehen anschauen.

Iranische Christen malen Kreuze an die Wände
Besonders in Teheran, Karaj und Rascht sollen christliche Gemeinden wachsen. Mindestens 30 persischsprachige Websites und 180 Weblogs seien „identifiziert" worden. Christliche Bibel-Missionsgruppen würden meist „Frauen einsetzen, die die Männer verführen und Interesse bei ihnen erwecken sollen." Manchmal würden auch aktive iranische Christen Kreuze an die Wände von staatlichen und privaten Häusern malen. Farsnews spricht von „zionistischen Christen“, bei denen sogar die Parole „Tod Israel“
verpönt sei.

Der Übertritt
Über drei Wege würden die Menschen den Weg zum Christentum finden: Im persönlichen Gespräch, über das Satellitenfernsehen oder über das Internet. Meistens würden Einzelpersonen eingesetzt, die am „Arbeitsplatz, oder am Wohnort oder an Universitäten und in Schulen" erste Kontakte schließen. Später würden ihnen Filme vorgeführt werden, in denen „große Redner“ missionierten und „große Lügen“ verbreitet werden. Man würde den Menschen „extreme Freiheiten“ versprechen.
Die christlichen „Netzwerke" seien „pyramidenförmig" organisiert. Nur diejenigen, die sich auf der untersten Ebene der Pyramide befänden, würden missionieren.

Drogensüchtige, Prostituierte und Areligiöse sind besonders empfänglich für das Christentum
Farsnews spricht von einem „falschen Christentum“, das in den neuen Gemeinden praktiziert würde. Grund: Sie würden eine „oberflächliche Liebe“ und eine „positive Sicht“ propagieren. In ihren „nächtlichen verdorbenen Versammlungen“ würden sie zudem versuchen die „tiefe Leere der Moral ihrer Anhänger zu füllen." Das christliche Verständnis der Freude würde das „Hören von Popmusik, gemeinsames Singen, Küssen, Tanzen, Weintrinken bedeuten." Farsnews gibt zu, dass weniger religiöse Teile der Gesellschaft sich von solchen „leidenschaftlichen“ Dingen des Lebens angesprochen fühlen.

Farsnews wettert gegen die „christlichen Propagandamaschinen" und gegen „christliche Missionare“, die gar Heilung durch „Wunder" predigten. Die empfänglichen Gruppen, die sich am meisten vom Christentum angesprochen fühlen werden benannt: Akademiker, Süchtige, Prostituierte, Areligiöse und natürlich politische Gegner. Farsnews betont, dass ein Gros der interessierten Kreise Akademiker seien, natürlich Studenten der ersten Semester. Die meisten muslimischen Studenten seien davor geschützt, nur kleine Gruppen würden sich „abweichlerisch“ verhalten.
Auch die Süchtigen seien für das Christentum empfänglich, da sie sich in einer „moralischen Leere“ befänden. Und Prostituierte, von zu Hause abgehauene Mädchen und Straßenkinder seien weitere „Opfer" der christlichen Mission, zumal diese Gruppen „weder eine materielle noch eine moralische Unterstützung haben," schreibt die populäre Nachrichtenagentur. Die Missionare würden bei den Prostituierten Punkte machen, weil sie hervorheben würden, dass einer der engsten Anhängerinnen von Jesus eine Prostituierte gewesen sei, die Christus besonders geliebt hätte. Atheisten und areligiöse interessierten sich dafür, da sie besonders „identitätslos“ seien.

Kontakte mit ausländischen Geheimdienst
Die neuen Christen hinterlassen natürlich auch großen Schaden für die Gesellschaft, behauptet zumindest Farsnews.. Besonders die Frauen würden ihren Schleier nicht mehr richtig anziehen wollen. Unter dem Deckmantel der Verbreitung des Christentums könnten ferner Kontakte mit ausländischen Geheimdiensten hergestellt werden.

Daher schlägt Farsnews vor entschieden der Verbreitung des Christentums Einhalt zu gebieten. Die Bevölkerung solle rechtzeitig die zuständigen Instanzen informieren, um christliche Mission zu unterbinden. Man solle aber auch mit muslimischen Studenten Gesprächsforen bilden und ihre offenen Fragen beantworten. Auf islamische Internetseiten sollen über die Arbeit der neuen Christen informiert werden. Gleichzeitig sollen Informationen über die missionarischen Gruppen gesammelt werden.

In Anbetracht eines neuen Gesetzesentwurfs, der für Apostasie Todesstrafe für Männer und lebenslängliche Haft für Frauen fordert, könnte sich hetzerische Propaganda als ein Anfang größerer Verfolgung entpuppen. Immerhin hat der Vorsitzende des iranischen Pseudo-Parlaments Ali Larijani erst am 30. Juni die Todesstrafe für Internet- und Weblogbetreiber, die für „gesellschaftliche Unruhe“ sorgen, gefordert.

 

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Media agitation against Christians in Iran

Iranian Muslims who wish to become Christian are in danger because they are regarded as apostates. The Iranian news agency Farsnews, which is close to Iran’s military circles, recently published a four-part study on the growth of Christian communities in Iran and how to confront them.

It is not necessary to decipher a secret code in order to find out how much freedom Iranian Christians are denied: The Iranian news agency Farsnews reported on 23 June on the growth of Christian communities in Iran, which are influenced by foreign satellite broadcasts, establish in private home churches where ‘priests and apostates’ and are financed by ecclesiastic organisations. Farsnews fears that many Iranian youth are attracted to the ‘seductive Christian propaganda machines.’ Domestic churches provide them with books and CDs, access to internet weblogs and would allow them to watch Christian satellite television.

Iranian Christians paint crosses on walls


Particularly in Tehran, Karaj and Rasht Christian communities are considered to be growing. At least 30 Persian-language websites and 180 weblogs were ‘identified’ as Christian. According to Farsnews, Christian missionary groups employ ‘women to seduce men and ought to awake their interests.’ Sometimes some active Iranian Christians will paint crosses on walls of public and private buildings. Farsnews speaks of ‘Zionist Christians’ which would even dislike the rallying cry ‘Death to Israel’.

The conversion

Farsnews speaks of three ways how people would convert to Christianity: during personal discussions, when watching satellite television or through the internet. Often individuals are used who would make first contact at ‘the workplace, the local area or at universities and in schools.’ Later they would show them videos in which ‘great orators’ proselytize and spread ‘great lies.’ The Christians would promise to the people ‘extreme freedoms.’ The Christian ‘networks’ are organized so that they are ‘pyramidal’ – only those at the lowest level would proselytize.

Drug addicts, prostitutes and non-religious people are particularly susceptible to Christianity

Farsnews speaks of a ‘wrong Christianity’ which is practiced in the new Christian communities. According to Farsnews, they propagate ‘superficial love’ and ‘a positive view.’ In their ‘nightly, abnormal meetings” they would try to ‘fill the empty void of their adherents.’ The Christian notion of joy means the ‘hearing of pop music, common singing, kissing, dancing and wine drinking.’ Farsnews acknowledges that the less religious part of the Iranian society is drawn to such ‘passionate’ things of live.

Farsnews agitates against the ‘Christian propaganda machines’ and against ‘Christian missionaries’, which would even promise healings by wonders. It specifies the ‘susceptible groups’ that are most attracted to Christianity: academics, addicts, prostitutes, non-religious people and, of course, political opponents. Farsnews emphasizes that the bulk of the ‘interested circles’ are academics, namely undergraduate students. Most of the Muslim students are immune, only small groups would behave ‘deviantly’.
Addicts are susceptible to Christianity as well, because they would exist in a ‘moral void’. Prostitutes, run-away girls and street kids are other ‘victims’ of Christian missionaries, particularly because those groups ‘do not have material or moral support’, writes the popular news agency. The missionaries would win over the prostitutes by emphasizing that one of the closest followers of Jesus was a prostitute, which Jesus loved in particular. Atheists and non-religious people are attracted by Christianity because they live ‘without an identity.’

Contacts with foreign intelligence agencies

The new Christians are also greatly harming society, alleges Farsnews; particularly, women who no longer wear their veil properly. Furthermore, under the disguise of spreading Christianity, contacts with foreign intelligence agencies could be established.

Therefore Farsnews urges the Iranian population to decisively confront the spread of Christianity. It calls on people to inform to state institutions in order to stop Christian proselytising. Additionally, discussion forums ought to be established in order to answer open questions by Muslim students. Islamist internet sites shall inform on the activities of the new Christians while simultaneously collecting information on the missionaries groups.

There is currently consideration of a new draft bill which envisions death penalty for men and lifelong imprisonment for women in case of apostasy, this state propaganda could mark the beginning of widespread persecution. After all, the Chairmen of the Iranian pseudo-parliament, Ali Larijani, has only recently on 30 June called for the death penalty for internet and web-log operators that ‘disturb social calm.’

 
   
 
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